Homöopathie und Allergien

Interview mit Heike Held, Heilpraktikerin für Klassische Homöopathie

Ob Pollen, Nüsse, Hundehaare oder Kosmetika - viele Menschen leiden unter Allergien. Zugleich wächst auch das Interesse an alternativen Behandlungskonzepten wie der Homöopathie, als Ergänzung oder an Stelle einer schulmedizinischen Therapie. Doch was passiert bei einer homöopathischen Behandlung von Allergien? 

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Das Interesse an der Homöopathie als sanfter Therapieform steigt ungebrochen, trotz der teils heftigen Angriffe aus den Reihen ihrer Kritiker. Im Jahr 2009 hatten mehr als die Hälfte der Deutschen schon homöopathische Arzneimittel verwendet. Zum Vergleich: 1970 war es in Westdeutschland noch weniger als ein Viertel. Die Homöopathie genießt ein überwiegend positives Image als nebenwirkungsarme und gut verträgliche Therapieform.* 

Eine besondere Herausforderung für Therapeuten ist die Behandlung chronischer Krankheiten, wie Allergien. Dabei haben sich allergische Erkrankungen längst zur Volkskrankheit entwickelt. So leidet in Deutschland mittlerweile rund jeder Vierte an Heuschnupfen. Und bei fast jedem Zehnten hat sich eine Kontaktallergie ausgebildet.** Wenn es um solche meist sehr langwierigen Problematiken geht, stellt sich die Frage, ob die Homöopathie eine sinnvolle Hilfe sein kann.

Wie eine Behandlung in der Praxis aussieht, erläutert im Interview Heike Held, Heilpraktikerin für Klassische Homöopathie mit eigener Praxis in Hamburg und langjähriger Erfahrung. Das Gespräch führte Dr. Kerstin Engels für medelia.de.

*    Quelle: Zahlen aus einer Allensbach-Befragung: IfD Allensbach 2009
**   Quelle: ECARF/ Der Spiegel Nr. 15, 10. April 2012, Seite 42

 

Themen (Quicklinks)

Behandlungsansatz
Beginn der Behandlung
Aspekte für die Wahl des Mittels
Konstitutionsbehandlung und akute Probleme – unterschiedliche Behandlung?
Weiterer Behandlungsverlauf
Behandlung akuter Beschwerden
Möglichkeiten und Grenzen einer Selbstbehandlung
Kombination der Homöopathie mit Schulmedizin
Dauer der Behandlung
Voraussetzungen für die sinnvolle Anwendung der Homöopathie

 

Frau Held, was ist das Besondere an einer Behandlung von Allergien mit Mitteln der Homöopathie?

Die Homöopathie behandelt immer den ganzen Menschen. Das ist bei Allergien, egal ob es sich um Pollen, Nahrungsmittel oder Tierhaare handelt, nicht anders als bei anderen Erkrankungen auch. Entscheidend ist dabei, dass die homöopathische Behandlung eine individuelle Therapie ist. Im Mittelpunkt steht der ganze Mensch in seiner Persönlichkeit und Einzigartigkeit, nicht nur die Symptome und unmittelbaren Auslöser der Allergie.

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Therapieformen ist auch, dass es in der Homöopathie bei der Behandlung von Allergien keine Standardtherapie gibt. Das bedeutet zum Beispiel, dass zwei Patienten mit einer Pollenallergie ganz unterschiedliche homöopathische Mittel bekommen können.

 

Werden im Falle von Allergien in der Homöopathie unterschiedliche Therapieformen eingesetzt?

Ja, es gibt sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze auch in der Homöopathie. Und auch bei Allergien gibt es eine große Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten.

Meine eigene Arbeitsweise kombiniert in der Regel eine Konstitutionsbehandlung mit einer Unterstützung bei akuten Symptomen, wie zum Beispiel allergischem Schnupfen oder juckenden Hautausschlägen. 

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Wie würden Sie diesen Behandlungsansatz beschreiben?

Der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung der Konstitution. Bei Allergien spielt ja eine Überreaktion des Immunsystems eine wesentliche Rolle. Eine Konstitutionsbehandlung zielt insofern auch darauf, hier wieder eine bessere Balance herzustellen.

Darüber hinaus sollen mit den Mitteln der Homöopathie die akuten Symptome gelindert werden, die sich individuell sehr unterschiedlich ausprägen können. Dies kann im Wechsel stattfinden oder auch parallel, je nach Situation.

Im Sinne einer ganzheitlichen Behandlung spreche ich mit den Patienten natürlich auch über andere gesundheitliche Faktoren, wie zum Beispiel Lebensgewohnheiten, Ernährung oder Stress. Diese Themen werden im Rahmen der Therapie ohnehin besprochen, weil es dabei auch um individuelle und homöopathisch bedeutsame Symptome geht, wie zum Beispiel, ob sich jemand gern bewegt, sich am Meer oder in den Bergen wohler fühlt, oder bestimmte Neigungen und Abneigungen beim Essen hat.

Wenn es um Allergien geht, spielt natürlich ein Thema mit eine Rolle, das in der Medizin allgemein bekannt ist, nämlich der Zusammenhang zwischen Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma. Auch in der Homöopathie ist es ein Ziel, dem möglichen „Etagenwechsel“ entgegenzuwirken. Damit ist gemeint, dass beispielsweise zu einem Heuschnupfen asthmatische Beschwerden hinzukommen können. Auch die Neurodermitis zählt zum allergischen Formenkreis. Es ist möglich, dass sich aus einer solchen Disposition im Laufe des Lebens Allergien oder ein allergisches Asthma entwickeln können. Insofern versucht auch die Homöopathie, eine solche Ausweitung zu verhindern.

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Wie läuft normalerweise in Ihrer Praxis eine homöopathische Behandlung bei einer Allergie ab?

Wenn ein Patient mit einer homöopathischen Behandlung beginnt, findet zunächst eine sogenannte Erstanamnese statt. Das ist eine genaue Aufnahme der Krankengeschichte und dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden. Diese Zeit ist nötig, weil man während eines solchen ausführlichen Gesprächs auf viele Aspekte eingeht, die als Gesamtbild zum homöopathischen Mittel führen.

 

Welche Aspekte sind für die Erstanamnese in der Homöopathie wichtig?

Das beginnt mit den körperlichen Symptomen. Bei einer allergischen Erkrankung spielt natürlich die Allergie an sich erst mal eine Rolle, also wie sie sich konkret äußert, welche Organe davon betroffen sind, wann die Symptome zum ersten Mal aufgetreten sind, wie oft und zu welchen Zeiten sie sich bemerkbar machen, wie stark sie sind und Ähnliches.

Diese Symptome können sehr vielfältig sein, vom Juckreiz über Fließschnupfen, Niesen und tränenden Augen bis hin zu Schlafstörungen oder Energiemangel.

Homoeopathie Globuli iStock 000012513167XSmallWesentlich für die Anamnese in der Homöopathie ist das subjektive Empfinden, also wie der Patient Symptome selbst wahrnimmt, das was er spürt oder sieht, wie es sich anfühlt, ob es bestimmte Qualitäten des Empfindens gibt. 

So kann ein Hautausschlag zum Beispiel individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, er kann etwa jucken, brennen oder mit stechenden Schmerzen verbunden sein. 

Auch der bisherige Krankheitsverlauf ist eine wichtige Information. So möchte ich beispielsweise wissen, wie sich bestimmte Symptome zu einem früheren Zeitpunkt – möglicherweise auch vor einer schulmedizinischen Behandlung, zum Beispiel mit Cortison – ausgeprägt haben.

Wesentlich ist in der Homöopathie auch die psychische Seite und das Lebensgefühl der Patienten. Sehr verschieden ist zum Beispiel der persönliche Umgang mit einer Allergie und ihren Symptomen. Ob jemand mit Traurigkeit oder Reizbarkeit reagiert oder trotzdem energiegeladen und tatkräftig wirkt, macht für die Homöopathie einen großen Unterschied.

Darüber hinaus frage ich nach allgemeinen Symptomen. Dazu gehören in der Homöopathie zum Beispiel Schlaf, Appetit, Verdauung, Kälte- und Wärmeempfinden.

Und nicht zuletzt versuche ich herauszufinden, ob es in der Vergangenheit besondere Entwicklungen im Leben des Patienten gab, die ihn vielleicht geschwächt oder aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Das kann möglicherweise auch schon sehr lange zurückliegen oder sich über einen langen Zeitraum entwickelt haben.

Ein weiteres Feld ist noch die Familienanamnese. Das heißt, ich frage nach Erkrankungen in der Familie, ob es dort auch Allergien oder andere chronische Krankheiten gab.

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Welche Rolle spielt die schulmedizinische Behandlung für die Erstanamnese in der Homöopathie?

In der Erstanamnese spielt auch vieles eine Rolle, was aufgrund der ärztlichen Diagnose und Behandlung bereits bekannt ist. Dazu gehören Allergietests ebenso wie bisher angewendete Medikamente oder ob zum Beispiel eine Hyposensibilisierung durchgeführt wurde.

Dabei möchte ich auch wissen, wie der Patient dazu steht, was er möchte und was unter Umständen nicht. Das heißt, aus homöopathischer Sicht interessiert mich sowohl die Sicht der Ärzte auf die Erkrankung wie auch die Sicht des Patienten selbst.

 

Was ist das Ergebnis einer solchen Erstanamnese?

In der Erstanamnese geht es in erster Linie darum, das homöopathische Mittel zu identifizieren, das zu dem Menschen in seiner persönlichen Situation, zu seinem Zustand und seinem individuellen Ausdruck passt. Dabei mache ich mir ein Bild von den Umständen und Bedingungen, unter denen der Patient krank geworden ist.

Zugleich muss das Mittel zu der Art seiner Erkrankung passen. Denn in Frage kommen in der Homöopathie vor allem solche Mittel, die einen besonderen Bezug zu der Allergie haben. Dieses Mittel begleitet einen Patienten meist über einen längeren Zeitraum im Verlauf der Behandlung.

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Worin unterscheidet sich die Behandlung akuter Symptomen von der Konstitutionsbehandlung?

Für eine Konstitutionsbehandlung bildet die ausführliche Erstanamnese die Voraussetzung. Dabei geht es um die Persönlichkeit und die individuelle Ausprägung von Symptomen. Bei der Akutbehandlung wird das verkürzt. Im Vordergrund stehen die Symptome, die jetzt da sind – also akuter Schnupfen, Atemnot, Juckreiz oder tränende Augen.

Allerdings geht es speziell bei chronischen Erkrankungen – wie eben Allergien – immer um eine Behandlung, die zu dem Konstitutionstyp passt. Auch Akutmittel wähle ich letztlich vor diesem konstitutionellen Hintergrund aus. Das hängt damit zusammen, dass in der Homöopathie bestimmte Konstitutionen zu bestimmten akuten Zuständen und Mitteln tendieren können.

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Wie ist nach der Erstanamnese der weitere Behandlungsverlauf?

Der Patient bekommt von mir ein homöopathisches Mittel in einer bestimmten Potenz verordnet. In meiner Praxis sind das in der Regel die sogenannten LM-Potenzen. Dieses Mittel wird in regelmäßigen Abständen mehrmals pro Woche eingenommen.

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Je nachdem, wie der Zustand des Patienten ist, findet im Abstand von ungefähr zwei bis vier Wochen nach der Erstanamnese ein Folgetermin statt. Danach folgen regelmäßig weitere Termine – meist im Abstand von vier bis sechs Wochen, das kann aber individuell sehr unterschiedlich sein.

Bei diesen Folgeterminen wird geschaut, wie der Patient auf das Mittel reagiert, wie sich sein Zustand entwickelt, ob die Dosierung angemessen ist oder verändert werden muss. Geprüft wird auch, ob Mittel ergänzt werden sollten. Beispielsweise kann es je nach Beschwerdebild sinnvoll sein, passende Akutmittel zu nehmen.

Oder es bieten sich, zusätzlich zur Homöopathie, begleitende Mittel aus der Naturheilkunde an, die zum Beispiel geeignet sind besonders belastete Organe zu unterstützen.

So kann es hilfreich sein, die Leber als wichtiges Stoffwechselorgan mit ergänzenden Präparaten zu unterstützen, wie zum Beispiel mit Extrakten aus Löwenzahn oder Mariendistel.

Ein anderes Beispiel wäre Euphrasia, der Augentrost, in Form von Augentropfen bei gereizten Augen. Weitere unterstützende Präparate können auch Probiotika zur Regulation der Darmflora sein, weil die Darmschleimhaut für das Immunsystem eine besondere Bedeutung hat.

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Wie behandeln Sie die akuten Beschwerden einer Allergie mit den Mitteln der Homöopathie?

Generell gibt es typische Mittel, die bei allergischen Erkrankungen – je nach Ausprägung – häufig zum Einsatz kommen. So wird beispielsweise bei allergischen Reaktionen auf einen Insektenstich, wo starker Juckreiz und Schwellungen auftreten, sehr oft Apis mellifica verwendet. Aber natürlich kann eine starke allergische Reaktion auf einen Insektenstich sich auch anders zeigen.

An einem Symptomkomplex wie dem Heuschnupfen lässt sich gut illustrieren, wie die Homöopathie vorgeht, nämlich auf der Basis der individuellen Symptome. Um jeweils das passende Mittel zu finden, wird deshalb sehr genau darauf geachtet, wie ein Patient die Symptome empfindet und beschreibt. So macht es in der Homöopathie einen Unterschied, ob sich Tränen oder Schnupfen mild oder brennend anfühlen.

Balance Steine am Meer pixabay helgoland-258871 640Nehmen wir zum Beispiel einmal die körperlichen Symptome bei einem Heuschnupfen. Wenn ein Patient diesen als scharfen, wundmachenden Schnupfen mit einem eher milden Tränenfluss und starkem Niesreiz beschreibt, könnte möglicherweise Allium cepa das geeignete Mittel sein.

Wenn stattdessen der Fließschnupfen mild ausfällt, dafür aber scharfe und wundmachende Tränen mit roten, entzündeten Augen auftreten, kann das Mittel Euphrasia angezeigt sein. Wenn wiederum der Schnupfen wässrig und brennend ist, der Patient dazu auch noch Probleme mit brennenden Tränen und geschwollenen Augenlidern hat, könnte Natrium muriaticum das passende Mittel sein.

Einen Unterschied für die Wahl des Mittels machen in der Homöopathie aber eben auch die psychischen Symptome aus. Auch auf dieser Ebene kann sich ein Heuschnupfen sehr unterschiedlich auswirken, also zum Beispiel von Reizbarkeit oder Traurigkeit begleitet sein, während andere Patienten trotzdem sehr lebensfroh sind. Auch der gesamte Energiezustand kann sich dabei individuell stark unterscheiden.

Wenn sich also zum Beispiel als eine auffallende Veränderung im psychischen Befinden zeigt, dass ein Heuschnupfen-Patient plötzlich sehr gestresst und gereizt ist, könnte Nux vomica als ein Mittel von Bedeutung sein.

Arsenicum album wiederum könnte eine Rolle spielen, wenn Patienten sich zusätzlich zu körperlichen Symptomen, wie etwa einem wässrig-brennenden Schnupfen, auffallend ängstlich fühlen, unruhig sind und möglicherweise auch kälteempfindlich.

Oder ein Beispiel aus der Kinderbehandlung: Wenn sich auf der körperlichen Ebene eher milde Absonderungen zeigen, und auf der psychischen Ebene auffällt, dass ein Kind besonders anhänglich und weinerlich wird und mehr auf den Arm möchte, könnten die Symptome auf Pulsatilla als das angezeigte Mittel hinweisen.

Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Menschen auf einen Heuschnupfen reagieren und wie verschieden er sich ausprägen kann. Letztlich gibt es je nach Situation sehr viele Möglichkeiten und Mittel, die in Frage kommen. Solche Beispiele sind nur besonders typisch und manche davon denjenigen, die schon mit Homöopathie zu tun hatten, am ehesten bekannt.

Welches Mittel dann tatsächlich passt, hängt wieder von den individuellen Bedingungen ab, von den tatsächlich auftretenden Symptomen und wie sie subjektiv wahrgenommen werden.

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Können sich Patienten bei solchen akuten Problemen auch selbst helfen, indem sie typische Mittel anwenden, wie sie auch in vielen Ratgebern zur Homöopathie zu finden sind?

Eine Selbstbehandlung ist im akuten Fall im Prinzip möglich, in der Praxis aber meist gar nicht so einfach.

Zwar kann ein Mittel wie Apis mellifica bei einer starken Reaktion auf einen Wespenstich oft sinnvoll sein. Aber darüber hinaus wird es im Einzelfall meist schon schwierig. Eine begleitende Homöopathie-Behandlung ist bei Allergien mit chronischem Charakter wesentlich komplexer als zum Beispiel bei einem akuten Husten, wo eine Selbstbehandlung aufgrund von Ratgeberliteratur und eigenen Erfahrungen deutlich einfacher ist.

Grundsätzlich lässt sich sagen, je chronischer eine Erkrankung ist, desto weniger ist eine Selbstmedikation zu empfehlen. Ohne fundierte Kenntnis ist es kaum möglich, eine Vielzahl möglicher Symptome im konkreten Fall richtig zu gewichten, so dass sie zum geeigneten Mittel führen.

Bei einer Konstitutionsbehandlung wird es noch komplexer. Der neutrale Blick von außen ist notwendig, um Symptome und Zusammenhänge einzuschätzen. Aus der Perspektive des Betroffenen wird es schnell undurchsichtig, weil zum Beispiel Konflikte oder Stress das Bild verschleiern können und den Blick trüben.

Auch unsere „Schattenseiten“, unsere nicht so positiven Eigenschaften, wollen wir möglicherweise gar nicht wahrhaben. Diese Aspekte sind für einen neutralen Beobachter leichter zu erkennen.

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Gibt es Risiken bei der Anwendung von Homöopathie? Kann zum Beispiel die Wirkung einer schulmedizinischen Behandlung beeinträchtigt werden?

Bei einer homöopathischen Behandlung gibt es keine negativen Wechselwirkungen mit pharmazeutischen Mitteln. Insofern stört die Homöopathie die schulmedizinische Therapie nicht, sondern stärkt im Gegenteil den Patienten und ist darauf ausgerichtet, Heilungsprozesse ganzheitlich zu fördern.

Dabei lassen sich schulmedizinische Medikamente auch mit Homöopathie kombinieren. Konventionelle Medikamente, wie beispielsweise Cortison oder Antihistaminika, lassen sich durch homöopathische Mittel in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt möglicherweise reduzieren. Unter Umständen kann die Homöopathie auch ergänzend zu den übrigen Medikamenten das Allgemeinbefinden, den Energiezustand oder den Schlaf verbessern.

Weil bei der Behandlung mit Klassischer Homöopathie keine Nebenwirkungen zu befürchten sind, ist sie im Übrigen auch bei der Behandlung von Kindern beliebt, und ebenso in der Schwangerschaft.

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Wie lange dauert eine homöopathische Therapie bei der Behandlung von Allergien normalerweise?

Häufig beginnen Allergie-Patienten eine homöopathische Behandlung, nachdem sie schon mehrere Jahre unter den Beschwerden gelitten haben. Da eine begleitende oder auch alternative Therapie mit Mitteln der Homöopathie auf eine Umstimmung des Organismus zielt, wird – abgesehen von der Linderung akuter Symptome – oft längere Zeit benötigt, bis tiefgreifende Veränderungen aufgrund einer Konstitutionsbehandlung stattfinden können.

Eine Verbesserung der Symptomatik sollte natürlich schon zu Beginn der Behandlung wahrgenommen werden, aber ein solcher Umsteuerungsprozess kann insgesamt über Jahre verlaufen. Generell gilt: Je länger die Erkrankung schon bestand, umso länger kann es dauern, bis eine tiefgreifende Besserung spürbar werden kann.

Speziell bei der Behandlung von Heuschnupfen ist eine Konstitutionsbehandlung dann auch außerhalb der Saison sinnvoll. Da es um eine langfristige Umstimmung geht, sollte die Behandlung möglichst während des ganzen Jahres stattfinden.

Dabei zielt die Homöopathie auf eine ganzheitliche Wirkung. Denn man behandelt eben nicht nur den Körper, sondern auch den seelischen Anteil an der Gesundheit eines Menschen. Dies hat in der Homöopathie hohes Gewicht und kann auch für die Wahl eines Mittels entscheidend sein.

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Gibt es bei chronischen Erkrankungen, wie Allergien, besondere Voraussetzungen bei der Anwendung der Homöopathie?

Eine wichtige Voraussetzung ist bei den Patienten eine Bereitschaft, sich mit den eigenen Lebensumständen und auch mit den seelischen Hintergründen ihrer oft langjährigen Erkrankung auseinander zu setzen. Egal ob es sich beispielsweise um Asthma oder Neurodermitis handelt – eine konstitutionelle Behandlung wirkt sich auch auf einer Ebene aus, wo psychische Themen eine große Rolle spielen.

Das funktioniert nur mit einer gewissen Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen und dann auch etwas zu verändern. Die Konstitutionsbehandlung wirkt in der Homöopathie oft wie ein Katalysator für heilsame Veränderungsprozesse. Im Laufe einer Behandlung können Themen bewusst werden und an die Oberfläche kommen, die mit Störungen des seelischen und körperlichen Gleichgewichts zusammenhängen.

Was da genau unter dem Einfluss eines Mittels auf einer tieferen psychischen und organischen Ebene passiert, ist rational schwer zu fassen. Die Erfahrung zeigt, dass Patienten ihr Mittel bei solchen Veränderungsprozessen oft wie einen „hilfreichen Freund“ empfinden.

Aus Therapeutensicht ist mir in diesem Prozess vor allem eine positive Unterstützung wichtig. Dazu gehört auch Humor – es darf auch mal gelacht werden. Für Patienten kann es aus meiner Sicht ebenfalls hilfreich sein, mehr Zuversicht, Ausgeglichenheit und innere Ruhe zu entwickeln. Eine optimistische Grundhaltung spielt eine wesentliche Rolle für Heilungsprozesse.

 

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

Zur Person:

Heike Held ist Heilpraktikerin für Klassische Homöopathie und Apothekerin. Seit 1998 ist sie in Hamburg in eigener Praxis tätig.

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