Kartoffelsaft: Hausmittel bei Sodbrennen

Dr. phil. Kerstin Engels

Gegarte Kartoffeln stehen bei den meisten Menschen regelmäßig auf dem Speiseplan. Kein Wunder, denn die Knollen sind ebenso gesund wie nahrhaft. Doch auch die rohe Kartoffel hat es in sich. Denn Kartoffelsaft ist ein uraltes Hausmittel.

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Der Saft aus der rohen Knolle wird vor allem als Mittel bei Magenproblemen geschätzt. Darüber hinaus wendet ihn die Naturheilkunde nicht nur innerlich an, sondern auch äußerlich als Hilfe bei Verletzungen, Entzündungen oder Hautgeschwüren.

Was ist Kartoffelsaft?

Beim Kartoffelsaft handelt es sich um einen Presssaft aus rohen Kartoffeln. Er lässt sich ziemlich einfach selbst herstellen, ist aber auch als Fertigprodukt im Handel erhältlich: Reformhäuser und Bioläden führen ihn ebenso wie Drogerien und Internet-Shops.

Kartoffelsaft als Säurehemmer?

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Kartoffelsaft bindet überschüssige Säure im Magen und kann daher bei Sodbrennen und häufigem Aufstoßen hilfreich sein. Schon vor 100 Jahren empfahl der Schweizer Arzt Maximilan Bircher-Benner – Erfinder des Bircher-Müslis und Vorreiter der Vollwerternährung – Kartoffelsaft bei Übersäuerung des Magens.

Zu viel Säure im Magen kann sich beispielsweise durch Stress, viel Alkohol oder fettes Essen bilden. Viele Menschen greifen dann zu Säureblockern, sogenannten Protonenpumpenhemmern, englisch abgekürzt PPI.

Diese Mittel, wie zum Beispiel Omeprazol oder Pantoprazol, gehören weltweit zu den am meisten verschriebenen Medikamenten, haben aber ihre Tücken. Unter anderem fand ein Forscherteam heraus, dass mit einer langfristigen Einnahme dieser Säureblocker häufig ein Vitamin-B12-Mangel einhergeht. Zudem hemmen diese Medikamente die Aufnahme von Calcium aus dem Darm, was das Risiko von Knochenbrüchen erhöht. Hinzu kommen weitere Risiken im Dauergebrauch, wie bakterielle Darmentzündungen, Nahrungsmittelallergien sowie Magnesium- oder Eisenmangel.

Rund eine Milliarde Euro geben die die Deutschen jährlich für Medikamente wie Omeprazol aus. Sicherlich ist Kartoffelsaft nicht in jedem Fall eine geeignete Alternative. Aber angesichts der möglichen Nebenwirkungen dieser Präparate scheint es einen Versuch wert, einmal auf das alte Hausmittel Kartoffelsaft zurückzugreifen – und sicher auch manche Lebensgewohnheiten zu hinterfragen.

Kartoffelsaft selbst herstellen

Rohen Kartoffelsaft selbst herzustellen, ist einfach. Jedoch sollte dabei unbedingt auf einwandfreie Qualität der Kartoffeln geachtet werden, weil andernfalls ein zu hoher Anteil schädlicher Stoffe in den Saft wandert. Die Kartoffeln sollten fest sein, frei von Keimlingen und keinerlei grüne Stellen aufweisen.

Für eine Portion Kartoffelsaft werden vier mittelgroße geschälte Knollen benötigt. Am einfachsten ist es, sie in einen Entsafter zu geben, der die Arbeit schhnell erledigt.

Alternativ werden sie gerieben, entweder mit einer Küchenmaschine oder von Hand. Die geriebenen Kartoffeln werden dann in ein sauberes Geschirrtuch gegeben und ausgewrungen. Der Saft lässt sich am besten in einer Schüssel auffangen.

Der selbst hergestellte Kartoffelsaft sollte frisch getrunken und zwischendurch umgerührt werden, weil sich die Stärke leicht absetzt. Wenn er länger steht, verfärbt er sich und ist weniger wirksam.

Hier eine praktische Videoanleitung zur Herstellung von Kartoffelsaft.

Vorsicht Solanin

Roher Kartoffelsaft kann unterschiedlich hohe Mengen eines schwach giftigen Alkaloids enthalten. Das sogenannte Solanin ist typisch für Nachtschattengewächse wie Kartoffeln und Tomaten. Allerdings ist der Gehalt an Solanin in den heutigen Kartoffelsorten sehr gering. Das meiste davon sitzt in der Schale und direkt darunter, wird also mit dem Schälen entfernt.

Der Solaningehalt in Kartoffeln steigt vor allem, wenn sie unter Lichteinfluss grüne Stellen entwickeln, und durch Druckstellen. Werden Kartoffeln gekocht, wird ein Teil des Solanins in das Kochwasser abgegeben. Deshalb ist es bei der Herstellung von rohem Kartoffelsaft besonders wichtig, auf eine besonders gute Qualität der Kartoffeln zu achten.

Beschwerden immer abklären

Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben, wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Heilpraktiker. Die Informationen in diesem Beitrag sind keine Therapieempfehlungen. Bitte beachten Sie auch den Disclaimer weiter unten auf dieser Seite!


Quellen und Links

Werner Bartens: Magenschutz mit Schaden. Sueddeutsche.de 11. Dezember 2013 

Jameson R. Lam, MPH1; Jennifer L. Schneider, MPH1; Wei Zhao, MPH1; Douglas A. Corley, MD, PhD: Proton Pump Inhibitor and Histamine 2 Receptor Antagonist Use and Vitamin B12 Deficiency. JAMA. 2013;310(22):2435-2442

Gute Pillen - Schlechte Pillen: Magensäureblocker richtig einnehmen. 2008/06, S. 3

Der Arzneimittelbrief. Unabhängige Arzneiinformationen: Protonenpumpenhemmer: zu häufige Verordnung und Risiken bei Dauertherapie. 2008 Bd.42, S.49

Wikipedia-Artikel zu Kartoffel 

Helpster.de: Kartoffelsaft selber machen - so geht's 

 

Bildnachweise: Maddox74/pixabay