BMI (Body Mass Index): Was ist ein Normalgewicht?

Über den Body Mass Index gab es schon viele Diskussionen. Umstritten war häufig, wie aussagekräftig er wirklich ist. Als einfach zu ermittelnder Anhaltspunkt für das Normalgewicht wird er jedoch immer noch viel verwendet. 

Eisbecher mit Sahne pixabay ice-cream-sundae-357972 1280-2Der Body Mass Index, abgekürzt BMI, ist eine populäre Rechengröße, um Über- oder Untergewicht festzustellen. Er lässt sich sehr einfach bestimmen, denn der BMI setzt die Körpergröße und das Gewicht zueinander ins Verhältnis. Die Formel dazu lautet:

Körpergewicht in kg / (Körpergröße in m)2

Beispiel: Eine Frau wiegt 60 kg bei einer Körpergröße von 1,70 m. Dies entspricht einem BMI von

60 / (1,70)2 = 20,8

Entwickelt wurde der BMI schon Anfang des 19. Jahrhunderts von einem belgischen Wissenschaftler namens Adolphe Quetelet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt die BMI-Werte in bestimmte Klassen ein, die das Normalgewicht sowie das Über- oder Untergewicht angeben.

 

Die Einteilung der BMI-Werte laut Weltgesundheitsorganisation zeigt die folgende Tabelle:

  Kategorie BMI (kg/m2)
Untergewicht starkes Untergewicht ≤ 16,0
mäßiges Untergewicht 16,0 – 17,0
leichtes Untergewicht 17,0 – 18,5
Normalgewicht Normalgewicht 18,5 – 25,0
Übergewicht Präadipositas 25,0 – 30,0
Adipositas (Fettleibigkeit) Adipositas Grad I 30,0 – 35,0
Adipositas Grad II 35,0 – 40,0
Adipositas Grad III ≥ 40,0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die BMI-Einteilungen der WHO zielen in erster Linie auf das Übergewicht, denn das gehört aus WHO-Sicht zu den größten globalen Gesundheitsrisiken. Für das Problem ist sogar ein eigener Begriff entstanden, die „globesity“ – global obesity (globale Fettleibigkeit). Laut WHO ist ein Mensch ab einem BMI von 30 stark übergewichtig und behandlungsbedürftig. Viele gesundheitliche Risiken steigen ab diesem Wert sehr stark an: Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebs nehmen deutlich zu.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung unterscheidet bei dem BMI noch genauer zwischen Frauen und Männern. Damit wird vor allem berücksichtigt, dass Männer meist einen höheren Anteil an Muskeln haben als Frauen, während bei Frauen in der Regel mehr Fettgewebe als bei Männern vorhanden ist. Muskeln sind jedoch schwerer als Fett. Nach dieser Logik liegt ein normaler BMI bei Frauen zwischen 19 und 24, bei Männern zwischen 20 und 25.

Darüber hinaus gibt es für den BMI-Normalbereich Einteilungen, die sich nach der Altersgruppe richten. So gelten in Deutschland die folgenden BMI-Richtwerte in Bezug auf das Alter (Quelle: Uni Hohenheim Ernährungsinformationssystem):

Alter BMI (kg/m2)
19 – 24 Jahre 19 – 24
25 – 34 Jahre 20 – 25
l35– 44 Jahre 21 – 26
45 – 54 Jahre 22 – 27
55 – 64 Jahre 23 – 28
>64 Jahre 24 – 29

 

 

 

 

 

 

 

 

Nutzen und Grenzen des BMI

Der große Vorteil des Body Mass Index ist: Er liefert auf sehr einfache Weise Anhaltspunkte zu der Frage, ob ein Mensch zu dick oder zu dünn ist. Allerdings sind die Werte in jedem Fall interpretationsbedürftig.

Denn das Problem beim BMI ist, dass die Formel keine individuellen Besonderheiten berücksichtigt. Je nach der Statur eines Menschen, also etwa der Breite der Schultern und Hüften kann jemand schwerer oder leichter „gebaut“ sein. Außerdem sind die Knochen unterschiedlich dick oder die Gelenke unterschiedlich breit, was sich ebenfalls auf das Gewicht auswirkt.

Einfluss auf den BMI hat außerdem das Verhältnis von Muskelmasse und Fett. Da Fettgewebe leichter ist, können sehr muskulöse Menschen, beispielsweise Kraftsportler, sehr schwer aber eben nicht fettleibig sein.

Typische Unterschiede im Normalgewicht, die mit dem Alter, dem Geschlecht oder auch ethnischen Zugehörigkeiten zusammenhängen, berücksichtigt der BMI an sich ebenfalls nicht.

Dementsprechend gibt es für die Interpretation des BMI diverse Tabellen. Auf für Menschen mit fehlenden Gliedmaßen gibt es angepasste BMI-Werte.

Darüber hinaus werden für Kinder und Jugendliche andere BMI-Werte zugrunde gelegt als bei Erwachsenen, denn während des Wachstums ändert sich das Verhältnis von Körpergewicht und Größe ständig. Die BMI-Werte von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen daher in einem komplexeren Modell größere Abweichungen (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter).

Andere Maßzahlen für Über- und Untergewicht

Der BMI ist nicht die einzige Maßzahl, um das Körpergewicht einschätzen zu können. Ein anderes Maß ist das sogenannte Taille-Hüft-Verhältnis (Waist-Hip-Ratio). Dieses ist unabhängig von der Körpergröße und auch vom Gewicht. Das Verhältnis von Taillenumfang und Hüftumfang weist nicht nur auf ein mögliches Übergewicht hin, sondern berücksichtigt vor allem das Bauchfett. Für die Einschätzung der Gesundheitsrisiken spielt nämlich auch eine Rolle, wo die Fettpolster sitzen. Das Bauchfett gilt dabei als das eigentlich „gefährliche“ Fett, im Unterschied etwa zu Fettpolstern am Po oder auf den Hüften. Oft messen Ärzte zu diesem Zweck auch nur den Bauchumfang.

Eine weitere Maßzahl ist der sogenannte Broca-Index. Dieser Wert ist noch deutlich einfacher zu ermitteln als der Body Mass Index. Er wird häufig herangezogen, um Untergewicht einzuschätzen. Das Normalgewicht eines Menschen entspricht demnach der Körperlänge (in cm) minus 100. Für das Idealgewicht werden davon nochmals 20 Prozent bei Frauen und 10 Prozent bei Männern abgezogen. Beispiel: Eine 170 cm große Frau hat laut Broca-Index ein Normalgewicht von 70 kg und ein Idealgewicht von 56 kg. 

Missbrauch des BMI

Längst ist der BMI nicht nur ein einfacher Weg, um Abweichungen von einem gesunden Gewicht festzustellen. Mittlerweile gehört der Body Mass Index zusammen mit dem Kalorienzählen und anderen Praktiken zu den zwanghaften Leistungsmarken der Magersucht. Mit den Möglichkeiten des Internet ist es zu einer Art von perversem Sport geworden, persönliche BMI-Werte zu veröffentlichen, um das eigene Dünnsein zu demonstrieren. Damit ist der ursprüngliche gesundheitliche Nutzen des Body Maß Index in das zerstörerische Gegenteil verkehrt worden.

Ein BMI unter 18,5 gilt als untergewichtig und sollte in jedem Fall mit einem Arzt besprochen werden. Und: Magersucht ist eine lebensgefährliche Krankheit, die behandelt werden muss und kann.

BMI online berechnen 

Berechnen Sie ganz einfach online Ihren BMI und schätzen Sie Ihr persönliches Körpergewicht ein. Hier geht es zum BMI Rechner auf medelia.de.

 

Quellen und Links

Uni Hohenheim, Ernährungsinformationssystem

BMI-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation

Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Wikipedia-Artikel zu Body Mass Index

 

Bildnachweis: Hans/pixabay