Positives Denken ist gesund

Jeder kennt die beiden Typen: Auf der einen Seite gibt es die Optimisten, die überall Chancen sehen, Fehlschläge schnell überwinden und Probleme als Anreiz, um kreative Lösungen zu suchen. Auf der anderen Seite stehen die Pessimisten, die Mahner und Warner, die bei Plänen stets die Risiken im Blick haben und lieber räsonieren als anpacken.

Positives Denken, Apfelbaum, Zukunft, Optimismus

Schon die grobe Zuspitzung zeigt: Menschen mit positiver Einstellung gelten als aktiver und zukunftsgewandter. Kein Wunder, denn sie sind diejenigen, die auch für andere Zeichen der Hoffnung setzen und im Zweifel einen Apfelbaum pflanzen.

Optimisten schneiden deshalb im Urteil ihrer Umwelt meistens sympathischer ab als kritisch-mäkelnde Zeitgenossen.

Positives Denken - ein Allheilmittel?

Ein genauerer Blick auf das Thema "positives Denken" zeigt, auch hier scheiden sich wieder einmal die Geister. Befürworter der Methoden und Theorien, die sich mit positivem Denken beschäftigen, betonen eine Vielzahl günstiger Effekte. Demnach führt eine positive Weltsicht zu mehr Lebensqualität und Zufriedenheit. Psychologen attestierten Optimisten ein höheres Maß an Selbstbestimmtheit.

Die Kritiker dagegen betonen die Schattenseiten des positiven Denkens. Sie prangern vor allem einfache Autosuggestionstechniken an, die in der umfangreichen Ratgeberliteratur ebenso zu finden sind wie im Motivationsseminar oder in vielen religiösen Bewegungen.

Auch Psychotherapeuten warnen davor, dass Techniken des positiven Denkens bei psychisch labilen Menschen im ungünstigen Fall sogar schädlich sind. So könnten sie beispielsweise zu Realitätsverlust führen oder Schuldgefühle hervorrufen, wenn ein gewünschter Erfolg ausbleibt.

Positives Denken ist gesund

Somit gibt es einige gewichtige Einwände gegen einen unreflektierten Umgang mit vielen landläufigen und schlichten Anleitungen zum positiven Denken. Dennoch zeigen immer mehr Studien, dass Optimismus eine große – und zwar positive – Wirkung auf die Gesundheit hat.

Schon vom Verhalten her gibt es einen eindeutigen Zusammenhang: Belegt ist, dass Menschen, die positiv denken, meistens gesundheitsbewusster leben und sich besser ernähren.

Insgesamt pflegen Optimisten häufig einen aktiveren Lebensstil als Pessimisten und streben selbstbewusst nach Zielen. Außerdem haben sie in der Regel ein hilfreiches soziales Netzwerk aus Freunden und Verwandten und glücklichere Liebesbeziehungen, was ebenfalls zur Gesundheit beiträgt.

So ist die Vielzahl von entsprechenden Studienergebnissen nicht verwunderlich. Sie zeigen etwa, dass Optimisten ein besseres Immunsystem haben oder seltener unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als negativ eingestellte Menschen.

Kann man positives Denken lernen?

Ob jemand zum Typ „Glas halb voll“ neigt oder es eher als halb leer betrachtet, hängt wohl nicht nur von persönlichen Erfahrungen ab. Eigentlich würde man ja davon ausgehen, dass sich Optimismus mit positiven Erfahrungen herausbildet, die ein Mensch zum Beispiel in seiner Kindheit oder im Laufe seines Lebens macht.

Vermutet werden überraschenderweise auch genetische Ursachen. So konnten Psychologen zeigen, dass sich eineiige Zwillinge bei der Entwicklung einer positiven oder negativen Lebenseinstellung ähnlicher sind als zweieiige.

Allerdings gibt es auch eine Fülle von Belegen dafür, dass positives Denken in einem Prozess erlernbar ist. Negative Denk- und Verhaltensweisen können dabei schrittweise identifiziert und verändert werden. Also ist es auch Übungssache: Think positive!

TIPP

Ein Buch, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema verständlich aufbereitet:
Astrid Schütz, Lasse Hoge: Positives Denken: Vorteile - Risiken – Alternativen. Kohlhammer 2007

 

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