Hanfsamen - die winzigen Kraftpakete

Dr. phil. Kerstin Engels

Hanfsamen haben sich unter den „Superfoods“ einen festen Platz erobert. Ihre wachsende Beliebtheit hat nichts mit Drogenkonsum zu tun, denn die Samen haben keine berauschende Wirkung. Vielmehr warten sie mit einer Vielzahl hochwertiger Nährstoffe auf. 

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Hanf ist eine alte Kulturpflanze. Sein Ursprung wird in Asien vermutet, doch schon seit Jahrtausenden ist er in vielen Gegenden der Welt zu Hause. In den alten Kulturen, etwa in China war Hanf einer der wichtigsten Rohstoffen überhaupt. Die Pflanze liefert Fasern für Textilien, Papier und Baustoffe. Die Samen und vor allem das daraus gewonnene Öl zählten häufig zu den Grundnahrungsmitteln für Menschen und Tiere. Zudem wurde das Öl als therapeutisches Mittel verwendet.

Auch in Europa bildete Hanf bis ins 18. Jahrhundert einen wesentlichen Rohstoff, aus dem Segeltuch ebenso wie Papier hergestellt wurde. Doch mit der Industrialisierung geriet er in Vergessenheit. Bei den Textilien verdrängten Baumwolle und andere Materialien den Hanf. Papier wurde nun aus Holzfasern hergestellt.

Doch seit den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt der Nutzhanf eine Renaissance. Nicht nur die Fasern werden als Grundstoff für viele Produkte wieder entdeckt. Mehr und mehr rückt nun auch der Wert der Hanfsamen für eine gesunde Ernährung wieder ins Bewusstsein.

Inhaltsstoffe für Vitalität und Wohlbefinden

Hanf pixabay green-16687 640 PublicDomainPictures ArtikelWer ganze Hanfsamen kaufen möchte, bekommt sie in der Regel geschält. Sie sind winzig klein – nur etwa 3 mm im Durchmesser. Tatsächlich wachsen sie als nussartige Früchte an der Hanfpflanze und heißen deshalb auch Hanfnüsse. Die ungeschälten Samen haben eine grünbraune Farbe, die geschälten Samen sind hellgelb bis fast weiß.

Wie es typisch ist für Samen und Nüsse, sind auch die Hanfsamen reich an hochwertigem Fett sowie leicht verdaulichem Eiweiß. Ihr Proteingehalt beträgt etwa 20 Prozent und enthält sämtliche acht essentiellen Aminosäuren, das heißt alle Aminosäuren, die der menschliche Körper benötigt.

Der Fettgehalt liegt bei rund 30 Prozent. Hauptsächlich sind dies die wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem die essentiellen Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolensäure (ALA). Der ungewöhnlich hohe Anteil an Alpha-Linolensäure – einer wertvollen Omega-3-Fettsäure – macht Hanfsamen besonders interessant.

Hanfsamen leisten außerdem einen Beitrag zur Versorgung mit einigen Mineralstoffen und Vitaminen. Sie enthalten einen hohen Anteil an Magnesium – gut für Muskeln und gegen Müdigkeit. Außerdem hilft viel Eisen dem Energiestoffwechsel und dem Immunsystem. Hinzu kommt Vitamin E, das einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Zellen leistet. Bemerkenswert hoch sind zudem die Anteile von Vitamin B1 und B2, die für gute Nerven und den Stoffwechsel gebraucht werden.

Was Hanfsamen allerdings nicht enthalten, das ist THC (Tetrahydrocannabinol). Dieser Stoff, der in der Cannabis-Droge den Rausch verursacht, sitzt nicht in den Samen, sondern in anderen Pflanzenbestandteilen weiblicher Cannabis-Pflanzen. Bei den in Europa kultivierten Hanfpflanzen handelt es sich ohnehin um THC-arme Sorten.

Verwendung als Nahrungsmittel

Geschälte Hanfsamen schmecken nussig. Vor allem für Allergiker sind sie eine gute Alternative zu Nüssen. Zudem sind sie auch noch gluten- und laktosefrei.

Als Zutat sind Hanfsamen ausgesprochen vielseitig verwendbar – man kann sie (fast) überall dazugeben, auch geröstet. Sie schmecken kombiniert mit süßen Gerichten, Obstsalat oder Smoothies ebenso wie mit allem Herzhaften. Ideal passen sie zu Müslis oder als Topping über Salate gestreut.

Gemahlene Hanfsamen gibt es auch als Hanfmehl, ein natürliches Proteinpulver, das vor allem von veganen Sportlern geschätzt wird. Es lässt sich beispielsweise in Getränke und Proteinshakes einrühren oder zum Müsli geben.

Auch als Saucenbinder kann man Hanfmehl hervorragend verwenden. Gut geeignet ist es außerdem zum Backen: Im Kuchen- oder Brotteig kann es ungefähr ein Viertel des Mehls ersetzen. Zu beachten ist allerdings der hohe Fettanteil – hundert Gramm Hanfsamen bringen rund 400 Kilokalorien mit. Es gibt jedoch auch entölte Produkte mit entsprechend weniger Kalorien.

Zunehmend verbreitet ist das aus den Samen gepresste Hanföl. Seinen besonderen Wert hat es wegen des optimalen Verhältnisses von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren (3:1).

Hanföl schmeckt mit seiner nussigen Note sehr gut in Salaten und Rohkost oder über gedünstetem Gemüse. Es kann zum Kochen, aber nicht zum Braten verwendet werden, weil es schnell verbrennt.

Hanfsamen als Naturheil- und Nahrungsergänzungsmittel

In der heutigen Ernährung sehen Ernährungsexperten zumeist ein ungünstiges Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren. Viele sind der Ansicht, dass der Überschuss von Omega-6-Fettsäuren auf Dauer gesundheitliche Probleme mit verursachen kann. Insofern beeinflussen Hanfsamen und das daraus gewonnene Hanföl diese Schieflage positiv.

Ein erhöhter Anteil von Omega-3-Fettsäuren gilt als hilfreich zur Vorbeugung oder als Unterstützung bei Herzkreislauferkrankungen. So trägt der hohe Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA) unter anderem zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Auch im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen wird häufig ein höherer Anteil von Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung empfohlen.

Das Öl der Hanfsamen enthält außerdem Gamma-Linolensäure (GLA). In der Regel bildet der Körper diese aus Linolsäure selbst. Bei bestimmten Funktionsstörungen und Erkrankungen wie Diabetes oder Neurodermitis, kann ein Mangel an GLA entstehen. Öle, die reich an GLA sind, können einen Mangel ausgleichen und verschiedene gesundheitliche Probleme positiv beeinflussen. Die Orthomolekulare Medizin verwendet Gamma-Linolensäure zur Unterstützung bei vielen Beschwerden, wie Allergien, Neurodermitis, Akne oder auch prämenstruellem Syndrom. Therapeutische Diäten nutzen GLA auch bei rheumatoider Arthritis oder diabetischer Neuropathie. Typische GLA-Lieferanten sind Nachtkerzenöl und Borretschöl. Weniger bekannt ist meistens das ebenso gut geeignete Hanföl.

Wo bekommt man Hanfsamen?

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Bezugsquellen mit sehr guten Hanfprodukten. Bei Spezialanbietern sind nicht nur Lebensmittel aus Hanf, sondern auch viele weitere Hanfprodukte, wie Kleidung, Taschen und Kosmetik erhältlich.

Wer lieber direkt vor Ort einkauft, findet Hanfsamen, Hanfmehl oder Hanföl in Bioläden und Reformhäusern. Leider sind die Preise für die Produkte noch recht hoch: 100 Gramm Hanfsamen kosten etwa zwei bis drei Euro, 500 Milliliter Öl rund 15 Euro.


Quellen und interessante Links

Hans Konrad Biesalski u.a.: Ernährungsmedizin. 3. Aufl., Georg Thieme Verlag, 2004

Ulrich Strunz und Andreas Jopp: Fit mit Fett: Gute Fette von Killerfetten unterscheiden - Herzinfarktrisiko senken - Fette für ein fittes Gehirn. Heyne Verlag, 2002

Udo Erasmus: Fats that heal, Fats that kill. 2. Aufl., Alive Books, 1993

Wikipedia-Artikel: Nutzhanf 

Veronika Ramsauer: Hanf ist wieder da! Kochen, Backen und Garnieren mit Hanf. Verlag Natur-Oase, 2011

Hanfsamen und Hanföl als Lebens- und Heilmittel - Ein Ratgeber. 3. Aufl., Verlag Die Werkstatt, 2003

HanfHaus (Online-Shop mit nützlichen Tipps und Informationen rund um Hanfprodukte) 

Eatsmarter: Warum Hanfsamen so gesund sind (online abgerufen 20.4.2015) 

 

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