Zungenreinigung: Ein Ayurveda-Ritual erobert den Westen

Dr. phil. Kerstin Engels

In Asien gehört die Zungenreinigung seit eh und je zur Mundhygiene. In Europa erscheint das vielen Menschen nach wie vor seltsam. Hier putzt man sich – bestenfalls – die Zähne und spült den Mund aus. Doch nach und nach ändert sich das. Dafür gibt es gute Gründe. 

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ZungenreinigungMit der wachsenden Beliebtheit östlicher Gesundheitslehren, wie dem indischen Ayurveda, verbreitet sich die Zungenreinigung als Morgenritual auch bei uns immer mehr. Dabei wird die Oberfläche der Zunge morgens nach dem Aufstehen sanft abgeschabt. Inzwischen empfehlen selbst Zahnmediziner aus dem Westen diese simple Technik als Ergänzung zum Zähneputzen. 

Ayurvedische Routine

Im Ayurveda, der traditionellen Medizin Indiens, ist die Zungenreinigung ein fester Bestandteil der morgendlichen Reinigungsroutine. Zur regelmäßigen Mundreinigung gehört zunächst das Abschaben der Zunge mit anschließendem Ausspülen. Es folgt das „Ölziehen“, bei dem ein hochwertiges Speiseöl für einige Minuten im Mund behalten wird, um die Schleimhäute zu reinigen. Erst zuletzt werden die Zähne geputzt.

In der asiatischen und indischen Medizin spielt die Zunge für die Diagnose des Gesundheitszustandes eine zentrale Rolle. Störungen im Organismus erkennen die Heilkundigen unter anderem an der Art von Zungenbelägen und Verfärbungen der Zunge. Eine rosafarbene Zunge steht für eine gute Gesundheit.

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Gründe für die Zungenreinigung

Doch wofür ist die Zungenreinigung überhaupt gut? Schon die ayurvedische Medizin wusste, dass der Belag über Nacht entsteht, weil die Zunge ein Entgiftungsorgan ist. Mit den Ausscheidungsprozessen des Körpers lagern sich schädliche Keime und Stoffwechselprodukte auf der Zunge ab.

Auch durch Essensreste bildet die Zunge, vor allem im hinteren Bereich, einen Nährboden für Bakterien und Pilze. Wird dieser Belag morgens entfernt, hat dies eine Reihe von Vorteilen:

  1. Die Entgiftungs- und Verdauungsorgane sowie das Immunsystem werden entlastet. Die Zungenreinigung trägt somit zur Vorbeugung von Krankheiten bei.
  2. Die Entfernung von Bakterien und Pilzen auf der Zunge schützt vor Parodontose und Entzündungen der Mundschleimhaut.
  3. Eine regelmäßige Zungenreinigung hilft gegen Mundgeruch. Darauf weisen auch wissenschaftliche Studien hin. Denn vor allem auf der Zunge setzen sich Fäulnisbakterien ab, die Essensreste und abgestorbene Zellen der Mundschleimhaut zersetzen und dabei schlecht riechende Gase freisetzen.
  4. Das Geschmacksempfinden wird intensiver. Denn bei der Reinigung der Zunge wird auch der Belag auf den Geschmacksknospen entfernt.

Wie funktioniert die Zungenreinigung?

In Apotheken, Drogerien und Supermärkten sind inzwischen die unterschiedlichsten Modelle an Zungenreinigern erhältlich. Dazu zählen Zungenschaber aus Kunststoff oder Metall sowie spezielle Zungenbürsten. Außerdem gibt es Kombinationen mit einer scharfen Kante auf der einen und einer Bürste auf der anderen Seite.

Zungenreiniger netishopWährend die Kunststoffreiniger nur wenige Euro kosten, sind die typisch ayurvedischen Ausführungen teurer. Sie bestehen aus Edelstahl, können auch versilbert oder vergoldet sein. Die Plastikreiniger sind nicht unbedingt empfehlenswert. Denn sie halten nicht besonders lange, und vor allem sind sie weniger hygienisch als die Metallausführungen.

Die Reinigung der Zunge ist besonders im hinteren Bereich des Mundes wichtig, denn der vordere Teil wird durch Zungenbewegungen beim Sprechen ohnehin stärker gesäubert. Wichtig ist, bei der Reinigung sanft vorzugehen, um keinen Würgreflex auszulösen. Dafür sind möglichst flache Zungenreiniger am besten geeignet.

Eine Zungenreinigung ist aber auch kostengünstiger ohne Spezialgerät durchführbar: Mit etwas Übung lässt sich ebenso gut ein Löffel benutzen, um die Zunge sogar in den hinteren Regionen zu reinigen. Er sollte allerdings eine möglichst scharfe Kante haben, also am Rand nicht abgerundet sein.

Die Prozedur selbst ist denkbar einfach: Mit etwas Druck wird die Zunge einige Male abgeschabt und der Belag unter fließendem Wasser von dem Zungenreiniger gespült. Dies dauert in der Regel höchstens eine halbe Minute.

 

Links und Quellen

Trent L Outhouse/ Rashad Al-Alaw/ Zbys Fedorowicz/ James V Keenan: Tongue scraping for treating halitosis (Review)

Peter A. Ehrl (2005): Erfolgreiche Mustertexte für die Zahnarztpraxis, Spitta Verlag, S. 87 (bei Google Books)

Artikel "Zungenreiniger" in Wikipedia 

www.netishop.de

 

Bildnachweise: 1. (c) medelia.de, 2. (c) netishop.de (mit freundlicher Genehmigung)

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