Heidelbeeren: heimisches Superfood

Dr. phil. Kerstin Engels

Die neuen Superfoods wie Acai-Beeren, Maca oder Chia sind beliebt – und teuer. Manche von ihnen kommen von weit her. Doch auch vor unserer Haustür wachsen nährstoffreiche und gesunde Power-Lebensmittel. Heidelbeeren gehören definitiv dazu. Das leckere regionale Sommerobst hat viele Vorzüge und ist sogar als alte Heilpflanze bekannt.

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Heidelbeeren pixabay berries-87383 640

Heidelbeeren haben je nach Gegend viele Namen. Sie sind als Blaubeeren bekannt, heißen aber auch Bickbeeren oder Mollbeeren. Die aromatischen Früchte wachsen an Sträuchern, in Wäldern und in der Heide ebenso wie in Gärten. Ihre Saison liegt bei uns in den Sommermonaten.

Zwischen der Wildheidelbeere und den Kulturheidelbeeren im Handel gibt es deutliche Unterschiede. Die Kulturheidelbeeren stammen nicht von der europäischen „Echten Heidelbeere“, sondern sind eine Sorte, die aus Nordamerika stammt. Die Kulturbeeren sind größer und süßer. Außerdem färben sie viel weniger, weil die Farbstoffe – anders als bei den Wildbeeren – nur in der Schale und nicht im Fruchtfleisch enthalten sind.

Heidelbeeren enthalten unter anderem wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Beispielsweise sind hohe Anteile an Vitamin C und Vitamin E förderlich für den Schutz der Zellen. Beta-Carotin leistet einen Beitrag zu gutem Sehen. Doch das wirklich Besondere, das in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt hat, sind die sekundären Pflanzenstoffe, speziell die Farbstoffe.

Heidelbeeren als Naturmedizin

Die blauen Beeren erhalten ihre Farbe durch sogenannte Anthocyane. Diese Farbstoffe sind auch in anderen roten, blauen und schwarzen Früchten enthalten, etwa in Brombeeren, Kirschen oder blauen Trauben. Die meisten Anthocyane stecken in der Schale, teils sind sie auch im Fruchtfleisch enthalten.

Viele positive Gesundheitseffekte von Heidelbeeren, die zunehmend durch Studien bestätigt werden, lassen sich auf diese Anthocyane oder ihre Abbauprodukte zurückführen. Vor allem sind diese Stoffe bekannt für ihre antioxidative Wirkung, was bedeutet, dass sie vor zellschädigenden freien Sauerstoffradikalen schützen. Freie Radikale werden als eine wesentliche Ursache von Krebs betrachtet. Aus diesem Grund gelten Antioxidantien wie die Anthocyane als wichtiges Mittel, um das Krebsrisiko zu senken.

Die Anthocyane sollen sich außerdem günstig auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken. Unter anderem gehen die Forscher davon aus, dass Anthocyane vor Arteriosklerose schützen, also Ablagerungen in den Blutgefäßen. Zudem sollen sie die Cholesterinwerte positiv beeinflussen. Eine großangelegte Langzeitstudie in den USA belegte, dass sich das Herzinfarktrisiko deutlich verringerte, wenn die Teilnehmerinnen regelmäßig Erdbeeren und Heidelbeeren aßen. 

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Ein weiteres Plus sind außerdem entzündungshemmende Effekte von Heidelbeeren, zu denen die Anthocyane und die ebenfalls enthaltenen Gerbstoffe beitragen. In der Volksmedizin werden zum Beispiel schlecht heilende Wunden oder entzündetes Zahnfleisch mit Heidelbeeren behandelt.

Bekannt sind die getrockneten Früchte auch schon lange als ein Mittel gegen Durchfall. Eine klinische Pilotstudie zu entzündlichen Darmerkrankungen, die mit Heidelbeerkonzentrat behandelt wurden, kam 2013 ebenfalls zu positiven Befunden. Auch die antibakterielle Wirkung der Anthocyane ist schon lange bekannt: So werden Heidelbeeren in der Naturheilkunde häufig bei Harnwegsinfektionen oder Blasenentzündungen angewendet.

Doch es gibt noch weitere positive Effekte, die in Verbindung mit Heidelbeeren und Anthocyanen immer wieder genannt werden. Dazu gehört eine Regulierung des Insulinstoffwechsels bei Typ-2-Diabetes, aber auch günstige Einflüsse im Bereich von Gehirn und Nervenzellen. So fanden Wissenschaftler Hinweise, dass die Anthocyane möglicherweise zur Vorbeugung von Parkinson und Depressionen geeignet sind. 

Und sogar als Hilfe beim Abnehmen sind Heidelbeeren im Gespräch: Wissenschaftler der Universität Michigan fanden bei Experimenten an Ratten heraus, dass Blaubeeren die Fettverbrennung unterstützen und führten dies ebenfalls auf die sekundären Pflanzenstoffe zurück. 

Tipps zur Zubereitung von Heidelbeeren

Die Früchtchen lassen sich fast unendlich vielfältig verwenden. Mit dem beerigen Aroma und der hübschen Farbe sind sie Geschmackserlebnis und Hingucker zugleich.

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Heidelbeeren schmecken roh ganz köstlich in Obstsalaten und Joghurt, als Quarkspeise oder im Müsli. Zu den ewigen Klassikern gehören natürlich Blaubeerpfannkuchen und -Muffins.

Vor dem rohen Verzehr von Waldfrüchten wird immer wieder gewarnt, weil sich Eier von Fuchsbandwürmern darauf befinden könnten. Offizielle Stellen empfehlen deshalb, wilde Heidelbeeren gründlich zu waschen und zu kochen.

Zum Glück gibt es auch dafür viele Zubereitungsmöglichkeiten. Heidelbeeren sind ideal zum Einkochen, beispielsweise als Kompott oder Marmelade. Und last not least: die sommerliche kalte Blaubeersuppe – ein Highlight mit Grießklöschen oder mit Chia-Samen (einfach in die kalte Suppe einrühren und quellen lassen).

Heidelbeeren sollten nicht lange aufbewahrt werden, sie schimmeln leicht. Vor allem die wilden Beeren sind empfindlich und halten sich nur etwa einen Tag.

 

 

Literatur und Links

Artikel auf Wikipedia: Heidelbeere (Stand 13.06.2014)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Aktuelle Studienergebnisse (16.09.2013): Colitis ulcerosa: Heidelbeer-Konzentrat lindert Beschwerden 

Apotheken-Umschau.de (18.07.2013/ 19.09.2012): Heidelbeere: blau, süß, lecker! 

Pflanzenforschung.de (07.02.2013): Kurze Verweildauer. Anthocyane zersetzen sich schon im Mund 

Pflanzenforschung.de (22.01.2013): Beeriger Schutz vor Herzinfarkt 

Judith Heisig, www.hoerzu.de (27.05.2011): Gesundheitswunder Heidelbeere   

Matthias Ackermann (2010): Studien zum Verhalten von Anthocyanen aus Heidelbeeren im Humanstoffwechsel. (Dissertation) 

University of Michigan. News Service (April 2009): Study suggests health benefits in blueberries 

Ärzte Zeitung online (15.04.2009): Können Farbstoffe in roten Beeren und Gemüse vor Morbus Parkinson schützen? 

U.S. Department of Agriculture: Agricultural Research Service (Aug. 2007): Nutrition and Brain Function: Food for the Aging Mind 

 

Bildnachweise: byrev/pixabay, yooran/pixabay

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