Schüssler-Salze: Therapie mit Mineralstoffen

Dr. phil. Kerstin Engels

Die Therapie mit Schüssler-Salzen ist außerordentlich beliebt. Das liegt wohl vor allem daran, dass sie sehr einfach ist und von jedem selbst angewendet werden kann. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Arzt Heinrich Schüßler entwickelt. 

Kalzium - wichtiger Baustein im menschlichen KörperVon Anfang an interessierten sich hauptsächlich Laien für diese Methode. Sie breitete sich zunächst aus, weil viele sogenannte Krankenbehandler sie anwendeten. Diese Behandler waren ehrenamtlich tätig und in Vereinen organisiert. Von den Ärzten wurde die Behandlung mit Schüssler-Salzen von Beginn an abgelehnt. Sie spielten demzufolge in der Schulmedizin nie eine Rolle .

Der Therapie mit Schüssler-Salzen liegt eine Denkweise zugrunde, die der Homöopath und Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) entwickelt hat. Im Mittelpunkt dieser Methode stehen Mineralsalze, die wie in der Homöopathie aufbereitet werden. Schüßler selbst bezeichnete seine Therapie als „biochemische Heilweise“.

„Biochemie“ als Grundlage der Schüssler-Salze

Die „Biochemie“ nach Schüßler geht davon aus, dass eine Störung des Mineralstoffhaushalts im Körper die Ursache von Krankheiten ist. Schüßler war in seinen Annahmen von bekannten zeitgenössischen Medizinern beeinflusst: So erforschte Rudolf Virchow (1821 - 1902) den Zusammenhang von Krankheiten und Störungen auf der Ebene der Körperzellen. Der niederländische Physiologe Jakob Moleschott (1822-1893) lieferte wichtige Erkenntnisse zum menschlichen Stoffwechsel und erkannte die Bedeutung von Mineralsalzen für den Organismus.

An diese Arbeiten der großen Physiologen seiner Zeit knüpfte Heinrich Schüßler an. Zentral war dabei die Entdeckung, dass Mineralsalze im Körper im Körper allgegenwärtig sind und chemische Vorgänge in den Körperzellen steuern, etwa den Stoffwechsel oder die Zellteilung.

Schüßler war selbst Homöopath und verknüpfte daher die Annahmen zur Funktion der einzelnen Mineralstoffe im Körper mit homöopathischen Prinzipien. Demnach soll eine hochgradige Verdünnung der Mineralsalze – eine Potenzierung – die Zellen dazu anregen, ihren Mineralstoffhaushalt zu regulieren. Das Ziel ist es, damit die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen.

Schüssler-Salze und die Homöopathie

Obwohl Heinrich Schüßler an die Homöopathie anknüpfte, grenzte er sich mit seiner Biochemie deutlich von ihr ab. In der Folgezeit gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen ihm und Vertretern der klassischen Homöopathie. Während es dort eine große Vielzahl von Mitteln gibt, die die richtige Wahl aufwändig und schwierig machen, sind die Schüssler-Salze auf zwölf potenzierte Salze beschränkt. Schüßler wollte die Therapie damit nach eigenen Worten „abkürzen“.

Schüssler-Salze als Tabletten

Darüber hinaus folgte die Therapie mit den Schüssler-Salzen nicht dem sogenannten Simile-Prinzip der Homöopathie von Samuel Hahnemann. So soll in der Homöopathie Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden.

Stattdessen ging Schüßler davon aus, dass seine potenzierten Salze die physiologischen Prozesse auf der Ebene der Zellen so beeinflussen, dass gestörte Funktionen im Körper normalisiert werden.

Die zwölf Schüssler-Salze werden meist in den homöopathischen Potenzen D6 oder D12 verwendet. Das heißt, sie werden in Zehnerschritten (= Dezimalpotenzen) verrieben und verdünnt. Dabei wird ein Teil der Ausgangssubstanz genommen und mit neun Teilen Milchzucker verrieben, was der Potenz D1 entspricht. Für die Herstellung der Potenz D2 wird dann wiederum ein Teil des Mittels in der D1 genommen und mit neun Teilen Milchzucker verrieben usw., bis die gewünschte Potenz erreicht ist.

Schüssler-Salze und ihre Funktionsbereiche

Die Schüssler-Salze sind nach deutschem Recht registrierte Arzneimittel, die nur in der Apotheke erhältlich sind. Wie bei solchen Mitteln üblich, dürfen die Hersteller dabei keine Angaben zu konkreten Anwendungsbereichen und Indikationen machen. Jedes Schüssler-Salz hat eine Nummer und eine Regelpotenz. Teils sind die Mittel jedoch auch in anderen Potenzen erhältlich.

Der folgende Überblick zeigt, welche Rolle den einzelnen Schüssler-Salzen zugeschrieben wird.

Nr. 1 Calcium fluoratum (D12) - Bindegewebe, Gelenke, Haut
Nr. 2 Calcium phosphoricum (D6) - Knochen und Zähne
Nr. 3 Ferrum phosphoricum (D12) - Immunsystem
Nr. 4 Kalium chloratum (D6) - Schleimhäute
Nr. 5 Kalium phosphoricum (D6) - Nerven 
Nr. 6 Kalium sulfuricum (D6) – Stoffwechsel, Entzündungsneigung
Nr. 7 Magnesium phosphoricum (D6) - Muskeln, Nerven 
Nr. 8 Natrium chloratum (D6) - Flüssigkeitshaushalt
Nr. 9 Natrium phosphoricum (D6) – Stoffwechsel, Übersäuerung
Nr. 10 Natrium sulfuricum (D6) - Entgiftung
Nr. 11 Silicea (D12) - Haare, Haut, Nägel
Nr. 12 Calcium sulfuricum (D6) - Gelenke

Schüssler-Salze werden in der Regel in Tablettenform angeboten. Die Tabletten sollen einzeln gelutscht werden oder auf der Zunge zergehen. In Ahnlehnung an homöopathische Anwendungen, ging Schüßler davon aus, dass die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Seltenere Zubereitungen für die innerliche Anwendung sind Globuli oder auch Tropfen.

Eine spezielle, oft erwähnte Variante ist die „Heiße Sieben“. Darunter wird die Auflösung von mehreren Tabletten des Mittels Nr. 7, Calcium Phosphoricum, in heißem Wasser verstanden. Nachdem sich die Tabletten aufgelöst haben, soll das heiße Wasser in kleinen Schlucken getrunken werden. Diese Anwendungsform gilt als besonders intensiv und wird zum Beispiel bei schmerzhaften Krämpfen gern genutzt. 

Darüber hinaus gibt es Schüssler-Salze auch für die äußerliche Anwendung. Dazu zählen beispielsweise Salben, die die Schüssler-Salze als Wirkstoffe enthalten. Auch Hautlotionen sind erhältlich, die eher großflächig angewendet werden sollen.

Ergänzungsmittel

Zu den zwölf Schüssler-Salzen, die auch als Funktionsmittel bezeichnet werden, kamen nach Heinrich Schüßlers Tod weitere 15 sogenannte Ergänzungsmittel hinzu. Ihnen werden die folgenden Bereiche und Körperfunktionen zugeordnet:

Nr. 13 Kalium arsenicosum (D6) - Haut
Nr. 14 Kalium bromatum (D6) - Nervensystem
Nr. 15 Kalium jodatum (D6) – Innere Organe
Nr. 16 Lithium chloratum (D6) – Stoffwechsel, Ausscheidung
Nr. 17 Manganum sulfuricum (D6) - Blutbildung
Nr. 18 Calcium sulfuratum (D6) – Regeneration, Entgiftung
Nr. 19 Cuprum arsenicosum (D6) – Muskeln, Nervensystem
Nr. 20 Kalium-Aluminium sulfuricum (D6) – Glatte Muskulatur
Nr. 21 Zincum chloratum (D6) – Immunsystem, Nerven
Nr. 22 Calcium carbonicum (D6) - Lymphsystem
Nr. 23 Natrium bicarbonicum (D6) – Stoffwechsel, Ausscheidung
Nr. 24 Arsenum jodatum (D6) – Atemwege, Haut
Nr. 25 Aurum Chloratum Natronatum (D6) - Rhythmusstörungen
Nr. 26 Selenium (D6) – Stoffwechsel, Zellschutz
Nr. 27 Kalium bichromicum (D12) – Stoffwechsel, Blutgefäße

Antlitzdiagnose

Heinrich Schüßler und sein Schüler Kurt Hickethier entwickelten eine spezielle Art der Diagnose, die sogenannte Antlitzdiagnose oder auch Antlitzanalyse. Sie beruht auf regelmäßigen Beobachtungen, die Schüßler bei seinen Patienten machte. Spezifische Störungen prägen demnach jeweils besondere Mangelzeichen aus, die er vor allem im Gesicht erkannte. Eine wichtige Rolle spielen dabei typische Veränderungen der Haut.

Kristalle - die häufigste Form von MineralienAufgrund dieser Beobachtungen entwickelte Schüßler eine Systematik, bei der er jedem Mittel spezifische Merkmale im Gesicht der Patienten zuordnete. Dazu zählen beispielsweise die Hautfarbe, Augenringe, bestimmte Arten von Fältchenbildungen etc.

Demnach sprechen zum Beispiel rissige Lippen und eine schuppige Gesichtshaut dafür, dass das Mittel Calcium fluoratum angezeigt ist. Eine fettige Gesichtshaut mit großen Poren und Pickeln bietet nach diesem Verfahren Hinweise für eine Anwendung des Schüssler-Salzes Natrium Phosphoricum.

Wirksamkeit der Schüssler-Salze

Die Theorie von Heinrich Schüßler knüpft zwar teilweise an zeitgenössische medizinisch-wissenschaftliche Forschungen und Lehrmeinungen an. In der Schulmedizin ist die Therapie mit Schüssler-Salzen jedoch nicht anerkannt. Wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit von der Schüssler-Therapie gibt es nicht.

Die Anwendung der Schüssler-Salze wurde von Anfang an hauptsächlich von medizinischen Laien verbreitet. Heutzutage setzen viele Heilpraktiker die Schüssler-Salze ein. Vor allem aber nutzen sehr viele Menschen diese Methode zur Selbstbehandlung, etwa als Begleitung einer schulmedizinischen Therapie, zur Vorbeugung, als Schönheitspflege oder auch im Sinne einer Kur. Da die Schüssler-Salze als nebenwirkungsfrei gelten, verwenden sie außerdem viele Haustierbesitzer für ihre Tiere.

Diesem großen Interesse entspricht eine Vielzahl von Ratgebern, ob im Buchhandel oder im Internet, die die Schüssler-Salze und ihre Anwendungsbereiche beschreiben.

 

Buchtipp: Die Theorie im Original

Wilhelm Heinrich Schüßler: Eine abgekürzte Therapie. Nachdruck der 25. Auflage von 1898. WzG Verlag, Dormagen

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